25. September 2014

Stadtbewohner

Es ist toll, in der Stadt zu leben. Ich weiß nicht genau, warum mich das anzieht, aber ich finde es schön, dass immer Menschen da sind, die ich aber überhaupt nicht kenne. Wenn ich um 2 Uhr nachts an einem Dienstag raus gehe, sind Leute auf der Straße unterwegs. Ein betrunkenes Paar, das von einer Party nach Hause kommt. Ein humpelnder Mann mit einem winzigen Hund. Ein Mann im Rollstuhl rollt in die Gasse neben meinem Haus, steht aus dem Rollstuhl auf, geht ein paar Schritte, zieht die Hose runter und pisst gegen unsere Müllcontainer. Das passiert jede Nacht. Und irgendwann frage ich ihn, warum er einen Rollstuhl hat, wenn er doch laufen kann. Es sind immer Menschen da, aber ich kenne sie nicht. Natürlich habe ich ein paar Freunde, aber die wohnen weiter weg, die treffe ich nicht zufällig. Das ist Anonymität. Wie im Internet. Nur beschimpfe ich nicht jeden. Zum Beispiel wohne ich seit über drei Jahren im selben Haus und kenne trotzdem die Bewohner kaum. Ich wohne im Dachgeschoss und direkt gegenüber wohnt die niedliche Nachbarin. Die ist zwischendurch ausgezogen, aber die Nachmieterin ist auch niedlich, also sind die in meinen Gedanken die selbe Person. Die habe ich ungefähr zweimal im Treppenhaus getroffen und phantasiere seitdem über unser gemeinsames Leben zusammen. Sie ist Ärztin (Keine Ahnung, aber warum nicht.). Wir haben zwei wundervolle Kinder. Zwei Mädchen. Eine wird lesbisch. Aber wir reagieren sehr cool, weil wir liberal sind. Das denke ich jedenfalls. Ich weiß ja in Wirklichkeit gar nicht, ob die Nachbarin liberal ist. Sie könnte ein Nazi sein. Ein hübscher Nazi. Manchmal, wenn ich zufällig vor meiner Wohnungstür stehe und Geräusche aus dem Treppenhaus vernehme, blicke ich durch den Türspion und sehe ihren Rücken, während sie Einkäufe in ihre Wohnung trägt. Näher werden wir einander niemals kommen. Ich frage mich, ob ihr kalt wird und sie sich beobachtet fühlt, wenn ich das tue. Im Erdgeschoss wohnt ein Rentnerehepaar. Das ist ein Fakt, der nur in meinem Kopf existiert. Im Erdgeschoss sind zwei Wohnungen, aber ich habe keine Ahnung, wer dort wohnt. Oder ob dort überhaupt jemand wohnt. Es könnten auch Arztpraxen sein. Oder jemand baut dort Drogen an. Oder gewiefte Otter haben dort ihr Heim. Manchmal komme ich nach Hause und es riecht im Treppenhaus nach Essen. Ich stelle mir dann immer vor, dass jemand Essen kocht. Irgendwo. So bin ich völlig anonym, selbst wenn zwei Meter von mir entfernt Leute leben. Zumindest lassen sie mich in Ruhe. Irgendwann werden sie einem Reporter erzählen, dass ich eigentlich immer ganz normal war. Nur dieses eine Mal habe ich nachts in der Seitenstaße einen Behinderten beim Pinkeln beobachtet. Das war wohl ein Warnzeichen. Jedenfalls sind immer Menschen in der Nähe, aber ich kenne sie nicht und sie kennen mich nicht. Das hat einen beruhigenden Effekt auf mich. Alleine im Wald hätte ich Angst vor Wölfen.

22. September 2014

Videoabend

Eine Möwe angelt einen leckeren Seestern:

Ein Frachter zieht einen Schlepper hinter sich her:

21. September 2014

An der Förde

Auf See:

Anfahrt:

"Das ist mein Seestern.":

Rivalitäten:

Dynamisches Abtauchen:

18. September 2014

Parasiten

Die Gorch Fock hat Matrosen am Mast:
Detailaufnahme:
Die sollte damit mal zum Bordarzt.

17. September 2014

Hollister II

Hollister: Der beste Polizist der Welt.
Szenen einer Karriere:


Hollister schloss die Augen und lauschte. Bis auf seinen eigenen Atem und das Sprudeln seiner Fanta war es ganz still. Man konnte wirklich nicht hören, dass eine Leiche im Klassenzimmer lag. Er öffnete die Augen und notierte das für später. Der Tote lag auf dem Rücken direkt vor dem Lehrerpult. In seiner Brust klaffte eine beinahe kreisförmige Wunde, die ein bequemes Heim für einen Einsiedlerkrebs abgeben könnte. Um ihn verstreut lagen einige bereits korrigierte Geographiearbeiten, die er wahrscheinlich vom Pult gerissen hatte, als er tödlich verletzt zu Boden gegangen war. Hollister fragte sich, was wohl so wichtig an diesen Geographiearbeiten sein könnte, dass das Opfer sie vor seinem Tod unbedingt noch einmal ansehen wollte. Er notierte auch das für später, indem er das Wort "MERKWÜRDIG" in sein Notizbuch schmierte und unterstrich. Solche sorgfältigen Aufzeichnungen waren ihm immer sehr hilfreich bei der Aufklärung eines Falls. Er beugte sich hinab, um den Toten auf eine Brieftasche abzusuchen und versuchte dabei die Dachse in der Deckenverkleidung nicht zu beachten, die ihn bereits seit Tagen verfolgten. Er konnte sie aus den Augenwinkeln heraus sehen und er hoffte, dass sie verschwinden würden, wenn er sie nur weiterhin ignorieren würde. Die wollten seine Fanta.

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Hollister rückte das Huhn auf seinem Kopf zurecht. Solche kleinen Details fielen den Leuten oft gar nicht auf. Hühner auf dem Kopf. Er schob sich langsam durch einige Streifenpolizisten, die im Eingangsbereich standen, um dem Regen aus dem Weg zu gehen. Ihr Gespräch verstummte. Der Gerichtsmediziner erkannte Hollister von weitem an seinem Huhn und winkte ihn herbei. Das macht einen Wissenschatler aus, dachte Hollister. Die achten auf die Details. Das Opfer war eine ältere Frau. Sie saß zusammengesunken am Küchentisch, das Gesicht in den Entsafter versunken. Ein Glas Orangen-Gesicht-Saft war übergelaufen und eine große Lache hatte sich am Boden gebildet. Dieses mal würde er nicht reintreten, schwor sich Hollister. Er schielte zur Decke, um auszuschließen, dass die Dachse etwas damit zu tun hatten. Es rührte sich nichts. "Vielleicht hat die Katze etwas gesehen." meinte Hollister und zeigte auf eine hässliche Porzellankatze, die auf der Fensterbank stand und manisch in die Unendlichkeit stierte, als hätte sie viel Scheiße im Krieg gesehen. Hollister machte gerne so kleine Witze, um die Stimmung am Tatort etwas aufzulockern. Niemand lachte. Draußen vor dem Fenster übergab sich ein junger Polizist auf ein Blumenbeet. Er hatte einen Blick auf den Tatort geworfen und musste wohl schlechte Erfahrungen mit Entsaftern gemacht haben, so dass ihm übel wurde. Hollister machte ungelenk einen großen Schritt über die Blutlache am Boden und ging neben dem Opfer in die Hocke. "Das wird wohl mein schwerster Fall werden!" sagte er laut und blickte bedeutungsschwer in die Runde. Das tat er immer, damit die Leute dachten, seine Arbeit sei unheimlich schwer. Das Huhn machte leise Huhngeräusche.

13. September 2014

Samstag

Splitter:

Aussicht:

Grün:

Stillleben mit Leberknödelsuppe:

Die berüchtigten Gabel-Brüder:

Reste:

Happy Birthd:

12. September 2014

Diverses

In der Seitenstraße neben meinem Haus steht ein Flakbunker aus dem Krieg und ich finde es entzückend, dass der ein Taubenhotel ist:
 Detailaufnahme:

Der Löwenzahn vorm Wirtschaftsministerium:

Ich habe heute ein Eichhörnchen gesehen.
Es hatte eine Nuss dabei und versuchte, diese im Rasen zu verstecken. Zunächst vergeblich.

Und ich war erfreut, festzustellen, dass jemand der Statue von Klaus Groth einen Plastikbecher in die Hand gegeben hat:
Wahrscheinlich trinkt er Cola.

8. September 2014

6. September 2014

Hollister

Hollister: Der beste Polizist der Welt.
Szenen einer Karriere:


Hollister vernahm das dumpfe Trommeln schwerer Regentropfen auf dem Dach. Jedenfalls hoffte er, dass es Regentropfen waren. Die Frösche hatten ihn schon früher getäuscht. Er stolzierte mit lächerlich ausfallenden Schritten durch den Raum. "Tja. Wer hat sie denn umgebracht?" Hollister blieb stehen, legte den Kopf schief und lauschte auf eine Antwort. Die Leiche schwieg aber. Das taten die meistens. Hollister legte die Stirn in Falten und strich mit den Fingern über seinen Schurrbart, damit es so aussah, als würde er nachdenken. Er sah, dass er unglücklicherweise durch die Blutlache gelaufen war und hellrote Schuhabdrücke auf dem Parkett verteilt hatte. Sowas geht schwer raus, wenn das eintrocknet, das wusste er. Vielleicht würde es der Spurensicherung ja nicht auffallen. Er wandte sich zur Tür und schritt eilig hinaus zu seinem Auto. Er behielt die Stirn vorsichtshalber in Falten. Die anderen Polizisten würden dann sicher weitererzählen, dass er nachdenklich aussah. Das macht immer einen guten Eindruck. Ihm war nach Schnitzel mit Pommes.

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Hollister schüttelte resignierend den Kopf. Das war jetzt schon die fünfte Nonne, die innerhalb von vier Wochen in einem Fass voller Senf ertränkt worden war. Schon nach der Dritten war der humoristische Aspekt stark in den Hintergrund getreten. Er erinnerte sich noch, wie ihm beim Anblick des ersten Senfopfers vor Lachen der Kakao aus der Nase geschossen war und wie der Gerichtsmediziner und die Kollegen von der Spurensicherung betreten zu Boden gestarrt hatten. Es waren diese kleinen Dinge, die seinen Beruf so erfüllend machten. Nun jedenfalls hatte Schwester Agnes dran glauben müssen. Zumindest vermutete Hollister, dass es sich um Schwester Agnes handelte, denn es ragten nur noch ihre Beine aus dem Senffass und er hatte die Beine von Schwester Agnes nur einmal gesehen, als ihm während des Gottesdienstes an Heiligabend eine Marzipankartoffel runtergefallen war und er etwa zwanzig Minuten lang unter den Kirchenbänken hindurchschlängeln musste, bis er sie endlich fand. Nun jedenfalls steckte die fünfte Nonne kopfüber tot in einem Senffass und Hollister stippte seine Bockwurst in den Senf, biss herzhaft davon ab und blickte kauend aus dem Fenster, wo gerade eine Kuh vorbeiging. Das würde sich schon alles ergeben. Das mit den Senfmorden auch.

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Hollister saß zusammengesunken auf einer Parkbank, das Gesicht tief in den Händen vergraben. Das machte er öfters. Er vermutete, dass die Leute dann dachten, dass er vielleicht weint oder zu lange in die Sonne geguckt hatte und dann Mitleid mit ihm hatten. Er spekulierte darauf, dass ihn dann vielleicht mal jemand auf ein Eis einladen würde, um ihn aufzuheitern. "Hollister, hören sie auf zu weinen, der Gerichtsmediziner kommt." Richtig, der Tatort. Hollister richtete sich auf und schaute sich um. Die Leiche, die neben ihm saß, hatte einen Kugelschreiber in der Brust stecken. Der Mann war nach vorne zusammengesunken, so dass ein dünnes Rinnsal Blut am Kugelschreiber hinab floss und von dessen Ende auf den Boden tropfte. Hollister hatte bereits einen Kollegen gebeten, wenigstens eine Zeitung drunter zu legen, aber der war wohl noch auf der Suche. Auf dem Kugelschreiber stand die Adresse eines Architekturbüros aus der Stadt. Das war typisch für Architekten, dachte Hollister. Die lassen immer ihre Kugelschreiber in den Leuten. Er klopfte dem Toten auf die Schulter und beugte sich zu ihm herüber. "Ich hole mir jetzt ein Mettbrötchen. Möchtest du auch eins? Die Kollegen frühstücken nie mit mir. Die halten mich für komisch."