17. September 2014

Hollister II

Hollister: Der beste Polizist der Welt.
Szenen einer Karriere:


Hollister schloss die Augen und lauschte. Bis auf seinen eigenen Atem und das Sprudeln seiner Fanta war es ganz still. Man konnte wirklich nicht hören, dass eine Leiche im Klassenzimmer lag. Er öffnete die Augen und notierte das für später. Der Tote lag auf dem Rücken direkt vor dem Lehrerpult. In seiner Brust klaffte eine beinahe kreisförmige Wunde, die ein bequemes Heim für einen Einsiedlerkrebs abgeben könnte. Um ihn verstreut lagen einige bereits korrigierte Geographiearbeiten, die er wahrscheinlich vom Pult gerissen hatte, als er tödlich verletzt zu Boden gegangen war. Hollister fragte sich, was wohl so wichtig an diesen Geographiearbeiten sein könnte, dass das Opfer sie vor seinem Tod unbedingt noch einmal ansehen wollte. Er notierte auch das für später, indem er das Wort "MERKWÜRDIG" in sein Notizbuch schmierte und unterstrich. Solche sorgfältigen Aufzeichnungen waren ihm immer sehr hilfreich bei der Aufklärung eines Falls. Er beugte sich hinab, um den Toten auf eine Brieftasche abzusuchen und versuchte dabei die Dachse in der Deckenverkleidung nicht zu beachten, die ihn bereits seit Tagen verfolgten. Er konnte sie aus den Augenwinkeln heraus sehen und er hoffte, dass sie verschwinden würden, wenn er sie nur weiterhin ignorieren würde. Die wollten seine Fanta.

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Hollister rückte das Huhn auf seinem Kopf zurecht. Solche kleinen Details fielen den Leuten oft gar nicht auf. Hühner auf dem Kopf. Er schob sich langsam durch einige Streifenpolizisten, die im Eingangsbereich standen, um dem Regen aus dem Weg zu gehen. Ihr Gespräch verstummte. Der Gerichtsmediziner erkannte Hollister von weitem an seinem Huhn und winkte ihn herbei. Das macht einen Wissenschatler aus, dachte Hollister. Die achten auf die Details. Das Opfer war eine ältere Frau. Sie saß zusammengesunken am Küchentisch, das Gesicht in den Entsafter versunken. Ein Glas Orangen-Gesicht-Saft war übergelaufen und eine große Lache hatte sich am Boden gebildet. Dieses mal würde er nicht reintreten, schwor sich Hollister. Er schielte zur Decke, um auszuschließen, dass die Dachse etwas damit zu tun hatten. Es rührte sich nichts. "Vielleicht hat die Katze etwas gesehen." meinte Hollister und zeigte auf eine hässliche Porzellankatze, die auf der Fensterbank stand und manisch in die Unendlichkeit stierte, als hätte sie viel Scheiße im Krieg gesehen. Hollister machte gerne so kleine Witze, um die Stimmung am Tatort etwas aufzulockern. Niemand lachte. Draußen vor dem Fenster übergab sich ein junger Polizist auf ein Blumenbeet. Er hatte einen Blick auf den Tatort geworfen und musste wohl schlechte Erfahrungen mit Entsaftern gemacht haben, so dass ihm übel wurde. Hollister machte ungelenk einen großen Schritt über die Blutlache am Boden und ging neben dem Opfer in die Hocke. "Das wird wohl mein schwerster Fall werden!" sagte er laut und blickte bedeutungsschwer in die Runde. Das tat er immer, damit die Leute dachten, seine Arbeit sei unheimlich schwer. Das Huhn machte leise Huhngeräusche.

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