11. Oktober 2014

Die Mozzarellabombe

Gestern Abend öffnete ich meinen Kühlschrank, vermutlich um etwas Essbares herauszugrabbeln und fand dort (Ja, mein Kühlschrank ist tatsächlich ein Konstrukt, in dem man Dinge einfach so "finden" kann.) zu meiner Überraschung eine extrem aufgeblasene Mozzarellaverpackung, vermutlich mit dem Mozzarella noch darin. Picture related:

Ich dachte zunächst daran, sie einfach in den Müll zu schmeißen, aber ich hatte Vorbehalte dagegen, das Teil überhaupt anzufassen, da ich befürchtete, dass es in meiner Hand explodieren könnte. Und es einfach in den Müllsack zu stopfen, schien mir nach kurzer Überlegung erst recht keine gute Idee zu sein, da sich der Inhalt bei Raumtemperatur nur noch weiter ausdehnen würde, was eine Detonation unvermeidlich erscheinen ließ.
So beließ ich die Käsegranate zunächst im Kühlschrank, aber während ich noch bis in die Nacht hinein im Internet wühlte, ließ mich der Gedanke nicht los, dass das Ding auch im Kühlschrank jeden Moment losgehen könnte. Vermutlich würde mich die Explosion im Schlaf töten, wenn ich nichts unternehme. Ich erwog kurz, die Mozzarellamine einfach aus dem Fenster zu schleudern, um mich ihrer zu entledigen. Diesen Plan verwarf ich jedoch schnell, musste ich doch hier in der Stadt auch mitten in der Nacht mit Passanten rechnen, die am Haus vorbei kamen. Und ich hatte große Angst, dass ich vielleicht einen Menschen treffen und durch die Explosion töten könnte. Vielleicht sogar Frauen und Kinder. Unverantwortlich.
So blieb mir denn nichts anderes übrig, als mir Jacke und Schuhe anzuziehen, den Käseknaller zu ergreifen (Ich wickelte ihn in eine Tüte, so dass ich auf dem Transportweg vor Schrapnellen geschützt sein würde.) und ihn zur Entsorgung nach draußen zu tragen.
Vor der Tür angekommen erschien es mir jedoch antiklimaktisch, das Teil einfach in den Müllcontainer zu werfen, also entschied ich mich, zumindest eine Ruptur der Außenhülle absichtlich herbeizuführen. Ich wandelte einige Zeit durch die dunklen Straßen der Stadt, bis ich an eine gut beleuchtete Kreuzung zweier wenig befahrener Straßen traf. Dort schleuderte ich die Mozzarellabombe in einem weiten Bogen in die Höhe, worauf sie mit einem sehr befriedigenden flatschähnlichen Geräusch beim Aufprall zerplatzte.
Hier das Ergebnis:

Die Reste lagen da heute Mittag immer noch. Keine Krähe tat sich daran gütlich.

Photos

Geschneck:

Spielzeugfähre:

Äste:

Hörnchen:

Grün:

Bodenbelag:

5. Oktober 2014

Photos

Schwarzes Schaf:

Segeln:

Laub:

Früchtchen:

Einschlag:

Profil:

Sanfte Landung:

2. Oktober 2014

Feiertagseinkäufe

Morgen ist Feiertag. Und ich muss noch einkaufen. Ich brauche noch Cola und Fruchtzwerge. Nützt ja nichts. Ich ziehe mir meine Armeestiefel an. Und meine Jacke mit den Schulterpolstern. Und den Stahlhelm von Opa. Ich umhänge mich mit 10 IKEA-Tüten, randvoll mit etwa 800 m³ Leergut und trete in den Hausflur. Ich bin bereit. Ich schiebe den Nachbarn mit seinem pompösen Kinderwagen sanft aber bestimmt in die Tiefe. Feiertagseinkäufe sind Krieg. Ich nehme das Auto und gebe mir beste Mühe, jeden Radfahrer auf dem Weg von der Straße zu holzen. Von denen kauft mir keiner den Milchreis weg. Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt ist kein Platz mehr. Autos stapeln sich zu bizarren Blechpyramiden in den Himmel. Hektische Hausfrauen erklimmen sie mit Leitern und stopfen industrielle Abnahmemengen an Buttermilch und Toffifee in Kofferräume. Ich parke auf der Kreuzung. Mit ausgefahrenen Ellenbogen stapfe ich in das Geschäft. Vor dem Leergutautomaten ist eine Schlange. Einfache Menschen, mutiert zu bepackten Maultieren, haben über Jahre und Dekaden jeden Fetzen Getränkeverpackung gesammelt, nur um ihn heute in einen blinkenden Roboter zu schaufeln. Als die Dämmerung hereinbricht, bin ich endlich an der Reihe. Es riecht angenehm nach vergorenen Säften und Bier. Wie auf einer Leichenfarm. Hektisch stopfe ich mein Leergut in den Automaten. Vier Flaschen auf einmal. "Diese Flasche wird hier nicht akzeptiert." "FRISS DIE VERDAMMTEN FLASCHEN, DU FASCHIST!", lege ich der Maschine sachlich dar. Es hat keinen Zweck. Ich lasse meine Pfandflaschen einfach liegen. Sie füllen den gesamten Raum aus. Eine junge Frau versucht, durch Schwimmbewegungen an die Oberfläche zu gelangen. Ich klaue einem kleinen Mädchen den Einkaufswagen und stürze mich in die Schlacht. Milch und Brot bekomme ich noch recht einfach. Beim Aufschnitt gibt es ein Problem. Ein dicker Elektriker im Blaumann kann sich nicht entscheiden. Quälende Sekunden lang schwankt er zwischen Bierschinken und grober Teewurst. Ich trete ihm in die Kniekehlen und klettere über seinen zitternden Kadaver hinweg zur Leberwurst. Für Erste Hilfe ist keine Zeit. Es ist nur noch eine Packung Backpflaumen da. Ich brauche die nicht, aber ich will eher sterben, als dass der Rentner mit Hut sie bekommt. Ich muss noch Lebkuchen haben, aber die Auslage ist meterweit entfernt. Eine Familie dreht mir unvorsichtigerweise den Rücken zu. Ich räubere ihren Einkaufswagen leer. Lebkuchen, Butter, Tomatenmark. Das ganze gute Zeug. Dann hungern die Müllers eben am Tag der Deutschen Einheit. Der Sozialstaat hört am Eingang zum Discounter auf. Endlich habe ich alles, was ich nicht brauche und drängle mich zu den Kassen. Die Schlange reicht bis zur Tankstelle in Suchsdorf. Man knirscht geduldig mit den Zähnen und rammt dem Vordermann den Einkaufswagen in die Oberschenkel. Ich bete für eine Eskalation. Nur Blut kann meine Seele jetzt beruhigen. Die Schlange bewegt sich rückwärts. Aus der Ferne erkenne ich das Problem: An der Kasse sitzt ein Praktikant. "W-Welche Nummer haben die Paprika?" ruft er schüchtern zu einer Kollegin herüber. Die Kundin vor ihm blickt ihn an, als würde sie gerne seine Haut als Kleidung tragen wollen. Ich kenne den Blick. Ich übe ihn täglich vor dem Spiegel. Endlich bin ich an der Reihe. Mir tropft roter Schaum aus den Mundwinkeln. Der Praktikant blickt mich zitternd an. "I..Ich muss erstmal die Bonrolle wechseln..." Ich balle die Faust so fest, dass sich meine Fingernägel tief ins Fleisch schneiden. "Klar, kein Problem. Ich hab es ja nicht eilig." bringe ich mit zuckenden Augenlidern hervor. Der Praktikant nässt sich ein. Endlich bin ich wieder zu Hause. Ich schleppe acht Zentner Einkäufe in den dritten Stock und lasse mich erschöpft auf das Laminat fallen. Ich sitze für die nächsten drei Tage in Unterhose auf dem Küchenfußboden und esse rohe Tiefkühlpizza. Langes Wochenende.